schule eppendorf

GRUND- UND STADTTEILSCHULE EPPENDORF

klein anfangen - gemeinsam wachsen - groß rauskommen

Esther Bejarano zu Gast an der GSE!

Die Schülerinnen und Schüler sind im Vorfeld schon neugierig gewesen. „Eine 92-Jährige, die Ausschwitz überlebt hat? Krass!“, war eine der Reaktionen eines Schülers auf die Ankündigung Esther Bejaranos.

Als die 10. Klassen die Aula betraten, saß Frau Bejarano bereits auf ihrem Stuhl in der Mitte der Bühne. Sie begrüßte die Schülerinnen und Schüler und las zunächst einige Seiten aus ihrem selbst geschriebenen Buch „Erinnerungen“ vor. Sie berichtete darüber, wie sie mit 18 Jahren nach Ausschwitz deportiert wurde, dort zunächst als Steinträgerin unter menschenunwürdigen Bedingungen Zwangsarbeit ableisten musste, bis sie aufgrund ihrer Musikalität in das Mädchenorchester des Konzentrationslagers eintreten konnte. Sie beschrieb den psychischen Druck, dem sie und ihre Freundinnen ausgesetzt waren. Morgens und abends musste das Orchester fröhliche Marschmusik am Tor des Lagers spielen, wenn die Arbeiterinnen zu ihrem sinnlosen Dienst ausrückten, bzw. zurückkehrten. Esther Bejarano wurde nach einem halben Jahr in Ausschwitz in das Frauenstraflager Ravensbrück verlegt und konnte sich schließlich bei Siemens bewerben, um dort zu arbeiten. Als das Kriegsende nahte und die Alliierten immer näher rückten, wurden alle Gefangenen auf einen der zahlreichen Todesmärsche der Nazis geschickt. Esther Bejarano gelang es gemeinsam mit zwei anderen Frauen zu fliehen und sie trafen schließlich auf zwei amerikanische Panzer. Die Amerikaner luden sie zu Kaffee und Kuchen ein und verbrannten auf der Mitte des Marktplatzes ein großes Bild von Adolf Hitler. Frau Bejarano beendete ihre Lesung mit den Worten:
„Es war nicht nur eine Befreiung; es war meine zweite Geburt.“
Während des gesamten Vorlesens herrschte eine unheimliche Stille in der Aula. Die Schülerinnen und Schüler waren von dem Erzählten sichtlich ergriffen.

Der zweite Teil der Veranstaltung bestand aus musikalischen Darbietungen Frau Bejaranos, gemeinsam mit der Band Microphone Mafia. Die Rapgruppe performte gemeinsam mit der Zeitzeugin verschiedene jüdische Lieder wie „Sage nie, du gehst den letzten Weg“ oder „Auf dem Weg ein Baum“. Der Sänger von Microphone Mafia rief die Schülerinnen und Schüler zum kritischen Denken auf und forderte, sich gegen Nazis zu erheben und nicht zu schweigen. Die Veranstaltung wurde mit langem Applaus beendet und die Schülerinnen und Schüler lernten in diesen 1 1/2 Stunden bestimmt mehr als in manch anderem Unterricht! Kein Buch und kein Lehrer kann die Eindrücke und Geschehnisse des Holocaust so nachhaltig vermitteln wie eine Zeitzeugin, die von ihren Erlebnissen berichtet.

Wir danken Frau Esther Bejarano und der Band Microphone Mafia für diese tolle Veranstaltung!

Theresa Herr

Die Veranstaltung wurde durch die Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration gefördert.