schule eppendorf

GRUND- UND STADTTEILSCHULE EPPENDORF

klein anfangen - gemeinsam wachsen - groß rauskommen

Seitenwechsel: Lehrer im Praktikum

„Wie ist es, mal für eine Woche den Beruf zu wechseln? […] Gewinnen Sie wertvolle Erkenntnisse für Ihre berufliche Arbeit und entwickeln Sie sich auch persönlich weiter.“

So lautete der Text, den unser BOSO-Koordinator Herr Schebesch zu Beginn des Schuljahres an alle Kollegen schickte, deren Schülerinnen und Schüler kurz vor den Praktika stehen.

‚Warum eigentlich nicht?‘ war mein erster Gedanke. Ein Tapetenwechsel und das Kennenlernen eines unbekannten Berufes ist sicherlich keine Erfahrung, die ich bereuen werde. Nach der Kontaktaufnahme mit der Handwerkskammer suchten wir gemeinsam nach handwerklichen Berufsfeldern, die mich interessieren. Recht schnell war klar, dass ich mein Hobby für eine Woche zum Beruf machen kann und mein Praktikum bei der Vollkornbäckerei Effenberger in der Rutschbahn leisten kann.

Und so stand ich ein halbes Jahr später um 1:45 Uhr nachts in der Backstube und lernte meine Kollegen für die Woche kennen. Ein ausgesprochen merkwürdiges Gefühl, nach vier Stunden Schlaf als Praktikant die ersten gefüllten Brotkästen in den Rollwagen zu laden – doch für große Eingewöhnung gab es keine Zeit, denn hier wird richtig zugepackt. „Hol‘ unserem Praktikanten mal zwei Liter Wasser, der kommt jetzt erstmal richtig ins Schwitzen“ hörte ich durch die Backstube rufen. Und wirklich, als ich um zehn Uhr morgens aus der noch immer mehr als 60 Grad warmen Backstube in die Morgensonne trat, hatte ich 3 Liter Wasser getrunken, 1500 Brote gehoben und brauchte einen starken Kaffee.

Nach zwei weiteren Tagen nächtlichen Backens war es Zeit, die anderen Berufsfelder kennen zu lernen, zunächst ging es in den Marktverkauf, dann in den Verkauf in der Rutschbahn. Bei ‚normaleren‘ Uhrzeiten merkte ich, wie nett es ist, auf dem Markt mit den Kunden zu schnacken und dabei ein gutes Produkt zu verkaufen, über das man jede Menge weiß. Auch der Verkauf in der Geschäftsstelle verlief sehr positiv. Es war sehr beeindruckend zu sehen, wie viele Kunden es schätzen, wenn das Handwerksprodukt Brot eine Geschichte hat, die man erfahren kann. Und nun bin ich auch in der Lage, eine Kasse zu bedienen und habe das Kopfrechnen trainiert…

Das Lehrerpraktikum war wirklich eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte – mit vielen Erfahrungen für mich, vor allem aber auch ein ganz neuer Zugang für die anstehenden Schülerpraktika, die man nun aus einer ganz neuen Perspektive kennen lernen wird und betreuen kann.

T. Scholtz